Wie wir Schatten-KI messen
KI-Dunkelziffer ist ein standardisiertes Erhebungsinstrument zur Verbreitung nicht freigegebener KI-Nutzung („Schatten-KI“, „Shadow AI“, „BYOAI“) in Organisationen. Dieses Dokument beschreibt Konstrukte, Fragebogen, Anonymisierung und die geplante wissenschaftliche Verwertung.
1. Definition
Als Schatten-KI gilt die Nutzung von KI-Anwendungen (insbesondere generative KI wie Sprach-, Code- und Bildmodelle) für berufliche Aufgaben oder mit Unternehmensbezug, die nicht durch die Organisation freigegeben, bereitgestellt oder vertraglich abgesichert ist – unabhängig vom genutzten Gerät. Die Definition folgt der Shadow-IT-Forschung (u. a. Haag & Eckhardt 2017; Silic & Back 2014) und wird den Teilnehmenden zu Beginn des Fragebogens erläutert.
2. Herleitung der Erhebungsdimensionen
Die Dimensionen wurden aus aktuellen Erhebungen und theoretischen Modellen abgeleitet:
- Bitkom (2025): Verbreitung privater KI-Nutzung in deutschen Unternehmen, Vorhandensein von Regeln, Bereitstellung eigener Tools, Unterschiede nach Unternehmensgröße.
- Microsoft/LinkedIn Work Trend Index (2024): „Bring Your Own AI“ über alle Generationen (Gen Z 85 % bis Boomer 73 %), Arbeitsdruck als Treiber.
- UpGuard State of Shadow AI (2025): Nutzung nach Seniorität, Richtlinienkenntnis, Schulungsparadox, Umgehung von Sperren, Vertrauen in KI.
- PagerDuty (2026), Teramind (2026), Cloud Security Alliance: Datenarten (Kundendaten, Quellcode, Finanzdaten), Nutzungshäufigkeit, Motive (Unabhängigkeit, fehlende Tools, Termindruck), widersprüchliche Vorgaben.
- UTAUT / TAM: Leistungserwartung (Zeitersparnis), sozialer Einfluss (Kolleg/innen), erleichternde Bedingungen (Firmen-Tool vorhanden), Verhaltensabsicht (künftige Nutzung, Wechselbereitschaft).
3. Fragebogenstruktur (Version 1.1)
| Block | Inhalte | Skalierung |
|---|---|---|
| Schritt 1 – KI im Arbeitsalltag | Nutzungsstatus (nur freigegeben / kombiniert / nur eigene / keine), Bereitstellung durch Unternehmen, Grund der Nichtnutzung, nicht freigegebene Tools, Häufigkeit | Einfach-/Mehrfachauswahl |
| Schritt 2 – Wofür und womit | Aufgaben, eingegebene Datenarten, Zugangsart, Geräte (nur bei Schatten-KI-Nutzung) | Mehrfach-/Einfachauswahl |
| Schritt 3 – Warum eigene Tools? | Motive, Zeitersparnis, Kenntnis der Führungskraft, Wechselbereitschaft (nur bei Schatten-KI-Nutzung) | Mehrfach-/Einfachauswahl, Likert 5 |
| Schritt 4 – Regeln & Wünsche | Richtlinie vorhanden/bekannt, Schulung, Risikobewusstsein, Ergebnisprüfung, Wunsch nach offiziellen Tools und Schulung, erwartete Entwicklung, gewünschte Lösungen | Einfach-/Mehrfachauswahl, Likert 5 |
| Schritt 5 – Über Sie | Altersgruppe, Position, Funktionsbereich, Arbeitsmodell, Betriebszugehörigkeit (optional) | Nominal/ordinal, grob gestuft |
Reihenfolge (Version 1.1): Kernfragen zur Nutzung zuerst, Strukturmerkmale zuletzt; die Schritte zu eigenen Tools werden nur Personen mit Schatten-KI-Nutzung angezeigt. Bearbeitungsdauer drei bis fünf Minuten. Es gibt keine Freitextfelder.
4. Unternehmensmerkmale
Bei der Registrierung werden Branche (19 Klassen, angelehnt an WZ 2008), Region (Bundesland bzw. Land), Größenklasse (5 Stufen), Stand der KI-Einführung, Vorhandensein einer KI-Richtlinie und offizieller Tools erfasst. Diese Merkmale ermöglichen Benchmarks und Subgruppenanalysen.
5. Anonymisierung und Datenschutz
- Keine Speicherung von Namen, E-Mail-Adressen, IP-Adressen, User-Agents oder Login-Sitzungen bei Antworten. Während der Befragung dient ein zufälliger Fortsetzungscode (als Prüfsumme) der Zusammenführung der Schritte; er wird beim Abschluss gelöscht, spätestens beim Beenden der Befragung.
- Zeitstempel ausschließlich auf Ebene der Kalenderwoche.
- Alle Merkmale sind kategorial und grob gestuft; keine Freitexte.
- k-Anonymität: Auswertungszellen mit weniger als 5 Antworten werden unterdrückt; Unternehmen sehen Ergebnisse erst ab 10 Antworten und erhalten – auch als Export – ausschließlich aggregierte Häufigkeiten, keine Einzelantworten.
- Antworten werden nach jedem Schritt gespeichert; Teilantworten fließen in die Kennzahlen ein, die sie erreicht haben (Kernfragen zuerst).
- Unternehmen erhalten keine firmenübergreifende Auswertung, sondern nur Vergleichswerte (alle Unternehmen, gleiche Branche, Region oder Größenklasse) zu ihren eigenen Kennzahlen – ab 10 Antworten in der Vergleichsgruppe. Die Anzahl der beitragenden Unternehmen wird nicht angezeigt.
- Es gibt keine öffentliche Live-Statistik. Ergebnisse über alle Unternehmen erscheinen ausschließlich in wissenschaftlichen Veröffentlichungen.
- Mehrfachteilnahme wird über ein lokales Cookie ohne Serverbezug bzw. optional über ungebundene Einmal-Codes begrenzt.
- Einladungen versendet das Unternehmen selbst; wir erhalten keine Verteiler.
6. Grenzen
Die Erhebung beruht auf Selbstauskünften und ist nicht zufallsbasiert; Ergebnisse je Unternehmen sind als Stimmungsbild zu interpretieren. Sozial erwünschtes Antwortverhalten wird durch die technisch erzwungene Anonymität reduziert, aber nicht ausgeschlossen. Die Gesamtauswertung gewichtet nicht nach Unternehmensgröße; große Befragungen haben entsprechend mehr Gewicht.
7. Wissenschaftliche Verwertung
Die anonymisierten Gesamtdaten werden für wissenschaftliche Veröffentlichungen (Working Paper, Konferenzbeiträge, Fachartikel) aufbereitet. Publiziert werden ausschließlich Aggregate; Unternehmen werden nicht genannt und sind nicht identifizierbar. Teilnehmende Unternehmen können der Einbeziehung ihrer Aggregate jederzeit widersprechen.
Zitiervorschlag
Stralys Consulting (2026): KI-Dunkelziffer – Anonyme Erhebung zur Nutzung nicht freigegebener KI-Anwendungen in Unternehmen. Fragebogenversion 1.1. Online: ki-dunkelziffer.de.
8. Kontakt für Forschungskooperationen
Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die den Datensatz oder das Instrument nutzen möchten, wenden sich an info@stralys.de.